Einteilung
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Die Idee als Natur ist:
I. in der Bestimmung des Außereinander, der unendlichen Vereinzelung, außerhalb welcher die Einheit der Form, diese daher als eine ideelle, nur an sich seiende und daher nur gesuchte ist, die Materie und deren ideelles System, - Mechanik;
II. in der Bestimmung der Besonderheit, so daß die Realität mit immanenter Formbestimmtheit und an ihr existierender Differenz gesetzt ist, ein Reflexionsverhältnis, dessen Insichsein die natürliche Individualität ist, - Physik;
III. in der Bestimmung der Subjektivität, in welcher die realen Unterschiede der Form ebenso zur ideellen Einheit, die sich selbst gefunden und für sich ist, zurückgebracht sind, - Organik.

Zusatz. Die Einteilung geht von dem Standpunkte des Begriffes, wie er in seiner Totalität gefaßt ist, aus und gibt die Diremtion desselben in seine Bestimmungen an; und indem er in dieser Diremtion seine Bestimmungen auslegt und ihnen eine jedoch nur momentane Selbständigkeit gibt, realisiert er sich hierin und setzt sich hiermit selbst als Idee. Es ist aber der Begriff, welcher 9/37 ebensowohl seine Momente auslege und sich in seine Unterschiede gliedert, als er diese so selbständig erscheinenden Stufen zu ihrer Idealität und Einheit, zu sich zurückführt und in der Tat so erst sich zum konkreten Begriffe, zur Idee und Wahrheit macht. Es scheinen sich daher zwei Wege, wie der Einteilung, so auch des wissenschaftlichen Ganges darzubieten: der eine, der von dem konkreten Begriffe anfinge, und dieser ist in der Natur das Leben, dasselbe für sich betrachtete und von ihm auf seine Äußerungen, die es als selbständige Naturkreise aus sich hinauswirft und sich darauf als auf andere, darum aber abstraktere Weisen seiner Existenz bezieht, geführt würde und mit dem gänzlichen Absterben des Lebens endigte. Der andere Weg ist der umgekehrte, welcher mit der nur erst unmittelbaren Weise, in welcher der Begriff existiert, mit dem letzten Außersichsein desselben anfängt und mit seinem wahrhaften Dasein, der Wahrheit seiner ganzen Exposition endigt. Jener erste Weg kann mit dem Gange in der Vorstellung der Emanation verglichen werden, der zweite mit dem Gange, der in der Vorstellung der Evolution genommen wird ( 249 Zusatz). Jede dieser Formen für sich ist einseitig, sie sind zugleich; der ewige göttliche Prozeß ist ein Strömen nach zwei entgegengesetzten Richtungen, die sich schlechthin in Einem begegnen und durchdringen. Das Erste, geben wir ihm auch den höchsten Namen, ist nur ein Unmittelbares, wenn wir auch ein Konkretes meinen. Indem die Materie z. B. als unwahre Existenz sich negiert und eine höhere Existenz entsteht, so ist einerseits, vermittels einer Evolution, die frühere Stufe aufgehoben, andererseits bleibt sie aber im Hintergrunde und wird durch Emanation wieder erzeugt. Die Evolution ist so auch Involution, indem die Materie sich zum Leben involviert. Vermöge des Triebes der Idee, für sich selbst zu werden, wird das Selbständige Moment, wie z. B. die Sinne des Tiers, objektiv äußerlich gemacht, die Sonne, die lunarischen, kometarischen Körper sind; schon im Physischen verlieren diese Körper ihre Selbständigkeit, obgleich sie noch dieselbe Gestalt mit einiger Veränderung haben, und sind so die Elemente; das subjektive Sehen, herausgeworfen, ist die Sonne, der Geschmack das Wasser, der Geruch die Luft. Da es aufs Setzen der Begriffsbestimmungen ankommt, so müssen wir nicht mit der wahrhaften Sphäre, sondern vom Abstraktesten anfangen.
Die Materie ist die Form, in welcher das Außersichsein der Natur zu ihrem ersten Insichsein kommt, dem abstrakten Fürsichsein, das ausschließend und damit eine Vielheit ist, welche ihre Einheit, als das fürsichseiende Viele in ein allgemeines Fürsichsein zusammenfassend, in sich zugleich und noch außer sich hat, - die Schwere. In der Mechanik ist das Fürsichsein noch keine individuelle ruhende 9/38 Einheit, die das Mächtige wäre, die Vielheit unter sich zu bringen. Der schweren Materie kommt daher noch keine Individualität zu, in welcher die Bestimmungen gehalten würden; und weil die Bestimmungen des Begriffs noch einander äußerlich sind, so ist der Unterschied ein gleichgültiger oder nur quantitativ, nicht qualitativ und die Materie als bloße Masse formlos. Beim individuellen Körper in der Physik ist die Form erreicht, und damit haben wir sogleich erstens die Enthüllung der Schwere als die Herrschaft des Fürsichseins über die Mannigfaltigkeit, das kein Streben mehr ist, sondern zur Ruhe gekommen ist, wenn auch zunächst nur auf erscheinende Weise: jedes Atom des Goldes z. B. enthält alle Bestimmungen oder Eigenschaften des ganzen Goldes, und die Materie ist an ihr selbst spezifiziert und partikularisiert. Die zweite Bestimmung ist, daß hier noch die Besonderheit als qualitative Bestimmtheit und das Fürsichsein als der Punkt der Individualität in eins fällt, also der Körper endlich bestimmt ist; die Individualität ist noch an einzelne ausschließende spezifische Eigenschaften gebunden, noch nicht auf totale Weise vorhanden. Wird ein solcher Körper in den Prozeß gebracht, so hört er auf zu sein, was er ist, wenn er solche Eigenschaften verliert; die qualitative Bestimmtheit ist also affirmativ gesetzt, nicht zugleich auch negativ. Das Organische ist die Natur-Totalität, eine fürsichseiende Individualität, die sich in sich zu ihren Unterschieden entwickelt, aber so daß erstens diese Bestimmungen zugleich konkrete Totalitäten sind, nicht nur spezifische Eigenschaften; zweitens bleiben sie auch qualitativ gegeneinander bestimmt und werden so als endliche vom Leben ideell gesetzt, das sich selbst im Prozesse dieser Glieder erhält. So haben wir mehrere Fürsichsein, die aber zum fürsichseienden Fürsichsein zurückgeführt werden, das als Selbstzweck die Glieder unterjocht und zu Mitteln herabsetzt; die Einheit des qualitativen Bestimmtseins und der Schwere, die sich selbst im Leben findet.
Jede Stufe ist ein eigentümliches Naturreich, und alle scheinen für sich zu bestehen; die letzte ist aber die konkrete Einheit aller früheren, wie überhaupt jede folgende die niederen an ihr hat, ebenso aber auch sie, als ihre unorganische Natur, sich gegenübersetzt. Die eine Stufe ist die Macht der anderen, und das ist gegenseitig; hierin liegt der wahre Sinn der Potenzen. Das Unorganische sind die Potenzen gegen das Individuelle, Subjektive, - das Unorganische zerstört das Organische; aber ebenso ist das Organische wiederum die Macht gegen seine allgemeinen Mächte, Luft, Wasser, welche, wie immer freigelassen, auch reduziert und assimiliert werden. Das ewige Leben der Natur ist erstens, daß die Idee sich in jeder Sphäre darstelle, wie sie sich in solcher Endlichkeit 9/39 darstellen kann, gleichwie jeder Wassertropfen ein Bild der Sonne gibt; das zweite ist die Dialektik des Begriffs, welche die Schranke dieser Sphäre durchbricht, indem er sich mit solchem unangemessenen Elemente nicht begnügen kann und notwendig in eine höhere Stufe übergeht. 9/40