β. Scheidung
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In der Auflösung des Neutralen beginnt der Rückgang zu den besonderen chemischen bis zu den indifferenten Körpern durch eine Reihe einerseits eigentümlicher Prozesse, andererseits aber ist überhaupt jede solche Scheidung selbst untrennbar mit einer Vereinigung verknüpft, und ebenso enthalten die Prozesse, welche als dem Gange der Vereinigung angehörig angegeben worden, unmittelbar zugleich das andere Moment der Scheidung. Für die eigentümliche Stelle, welche jede besondere Form des Prozesses einnimmt, und damit für das Spezifische unter den Produkten, sind die Prozesse von konkreten Agentien und ebenso in den konkreten Produkten zu betrachten. Abstrakte Prozesse, wo die Agentien abstrakt sind (z. B. bloßes Wasser in Wirkung auf Metall, oder vollends Gase usf.), enthalten an sich wohl die Totalität des Prozesses, aber stellen seine Momente nicht in explizierter Weise dar. 9/327

In der empirischen Chemie ist es hauptsächlich um die Partikularität der Stoffe und Produkte zu tun, welche nach oberflächlichen abstrakten Bestimmungen zusammengestellt werden, so daß damit in ihre Partikularität keine Ordnung kommt. In jener Zusammenstellung erscheinen Metalle, Sauerstoff, Wasserstoff usf., (ehemals Erden, nun) Metalloide, Schwefel, Phosphor als einfache chemische Körper nebeneinander auf gleicher Linie. Sogleich muß die so große physikalische Verschiedenheit dieser Körper gegen solches Koordinieren Abneigung erwecken; ebenso verschieden aber zeigt sich auch ihr chemischer Ursprung, der Prozeß, aus dem sie hervorgehen. Allein gleich chaotisch werden abstraktere und reellere Prozesse auf gleiche Stufe gesetzt. Wenn hierein wissenschaftliche Form kommen soll, so ist jedes Produkt nach der Stufe des konkreten, vollständig entwickelten Prozesses zu bestimmen, aus der es wesentlich hervorgeht und die ihm seine eigentümliche Bedeutung gibt; und hierfür ist ebenso wesentlich, die Stufen der Abstraktion oder Realität des Prozesses zu unterscheiden. Animalische und vegetabilische Substanzen gehören ohnehin einer ganz anderen Ordnung an; ihre Natur kann so wenig aus dem chemischen Prozesse verstanden werden, daß sie vielmehr darin zerstört und nur der Weg ihres Todes erfaßt wird. Diese Substanzen sollten jedoch am meisten dienen, der Metaphysik, welche in der Chemie wie in der Physik herrschend ist, nämlich den Gedanken oder vielmehr wüsten Vorstellungen von Unveränderlichkeit der Stoffe unter allen Umständen, wie den Kategorien von der Zusammensetzung und dem Bestehen der Körper aus solchen Stoffen, entgegenzuwirken. Wir sehen überhaupt zugegeben, daß die chemischen Stoffe in der Vereinigung die Eigenschaften verlieren, die sie in der Trennung zeigen, und doch die Vorstellung gelten, daß sie ohne die Eigenschaften dieselben Dinge seien, welche sie mit denselben sind, sowie daß sie als Dinge mit diesen Eigenschaften nicht erst Produkte 9/328 des Prozesses seien. Der noch indifferente Körper, das Metall, hat seine affirmative Bestimmung so auf physische Weise, daß seine Eigenschaften als unmittelbare an ihm erscheinen. Aber die weiter bestimmten Körper können nicht so vorausgesetzt werden, daß dann gesehen werde, wie sie sich im Prozesse verhalten, sondern sie haben ihre erste, wesentliche Bestimmung allein nach ihrer Stelle im chemischen Prozesse. Ein weiteres ist die empirische, ganz spezielle Partikularität nach dem Verhalten der Körper zu allen anderen besonderen Körpern; für diese Kenntnis muß jeder dieselbe Litanei des Verhaltens zu allen Agentien durchlaufen. - Am auffallendsten ist es in dieser Rücksicht, die vier chemischen Elemente (Sauerstoff usf.) in gleicher Linie mit Gold, Silber usf., Schwefel usf. als Stoffe aufgeführt zu sehen, als ob sie eine solche selbständige Existenz wie Gold, Schwefel usf. hätten oder der Sauerstoff eine solche Existenz wie der Kohlenstoff hat. Aus ihrer Stelle im Prozesse ergibt sich ihre Unterordnung und Abstraktion, durch welche sie von Metallen, Salzen der Gattung nach ganz verschieden sind und keineswegs in gleiche Linie mit solchen konkreten Körpern gehören; diese Stelle ist 328 auseinandergesetzt. An der abstrakten Mitte, welche in sich gebrochen ist (vgl. 204 Anm.), zu der daher zwei Elemente gehören - Wasser und Luft -, welche als Mittel preisgegeben wird, nehmen sich die realen Extreme des Schlusses die Existenz ihrer ursprünglichen, nur erst an sich seienden Differenz. Dies Moment der Differenz, so für sich zum Dasein gebracht, macht das chemische Element als vollkommen abstraktes Moment aus; statt Grundstoffe, substantielle Grundlagen zu sein, wie man sich beim Ausdrucke "Element" zunächst vorstellt, sind jene Materien vielmehr die extremsten Spitzen der Differenz.
Es ist hierbei, wie überhaupt, der chemische Prozeß in seiner vollständigen Totalität zu nehmen. Besondere Teile, formelle und abstrakte Prozesse zu isolieren, führt 9/329 auf die abstrakte Vorstellung vom chemischen Prozesse überhaupt als bloß der Einwirkung eines Stoffes auf einen anderen, wobei das viele Andere, das sich begibt (wie auch allenthalben abstrakte Neutralisierung, Wassererzeugung, und abstrakte Scheidung, Gasentwicklung), als fast Nebensache oder zufällige Folge oder wenigstens nur äußerlich verbunden erscheint, nicht als wesentliches Moment im Verhältnisse des Ganzen betrachtet wird. Eine vollständige Auseinandersetzung des chemischen Prozesses in seiner Totalität erforderte aber näher, daß er als realer Schluß zugleich als die Dreiheit von innigst ineinander greifenden Schlüssen expliziert würde - Schlüsse, die nicht nur eine Verbindung überhaupt von ihren terminis, sondern als Tätigkeiten Negationen von deren Bestimmungen sind (vgl. 198) und die in einem Prozesse verknüpfte Vereinung und Scheidung in ihrem Zusammenhange darzustellen hätten.

Zusatz. Während die ersten Prozesse der Verbindung zugingen, so sind die Prozesse der Neutralen gegeneinander zugleich Diremtionen oder Zerlegungen des Neutralen und Abscheidungen der abstrakten Körper, von denen wir ausgegangen sind. Das reine Metall, womit wir angefangen haben, indem wir es als unmittelbar vorhanden annahmen, ist auf diese Weise jetzt ein aus dem totalen Körper, zu dem wir fortgingen, hervorgebrachtes Produkt. Was hier aufgelöst wird und die konkrete Mitte ist, ist ein real Neutrales (das Salz), während im Galvanismus das Wasser, im Feuerprozeß die Luft die formelle Mitte war, die aufgelöst wurde. Die Weisen und Stufen dieser Zurückführung sind verschieden; vornehmlich der Feuerprozeß, ebenso der Salzprozeß. Durch Glühen z. B. wird im Salz die abgestumpfte Säure wieder befeuert; ebenso wird aus dem Kalk die Kohlensäure ausgetrieben - weil er in dieser Temperatur eine nähere Verwandtschaft zum "Wärmestoff" als zur Kohlensäure haben soll. So geht es weiter bis zur Reduktion der Metalle, wenn z. B. der als Säure mit einer Base verbundene Schwefel abgetrieben und das Metall regulinisch wird. Nur wenige Metalle werden zugleich in der Natur rein gefunden; die meisten werden erst durch den chemischen Prozeß abgesondert.
Das ist der ganze Verlauf des chemischen Prozesses. Um zu bestimmen, welcher Stufe die individuellen Körper angehören, 9/330 muß der Gang der chemischen Prozesse in ihrer bestimmten Stufenfolge festgesetzt werden; sonst hat man es mit einer zahllosen Menge von Stoffen zu tun, die für sich ein unorganisches Gewirre bleiben. Die Körperindividualitäten bestimmen sich also im Prozesse so (es sind die Momente und Produkte desselben, und sie machen folgendes System der bestimmten, d. i. differenten Körperlichkeit als der zur Individualität nun determinierten, konkreten Elemente):
a) Die individualisierte und differente Luft sind die Gasarten, und zwar selbst als die Totalität der Viere: α) Stickstoffgas, das abstrakt Indifferente; β) Sauerstoff- und Wasserstoffgas, als die Lüfte des Gegensatzes, - jenes befeuernd, begeistend, dieses das Positive, Indifferente im Gegensatze; γ) Kohlensaures Gas, das Irdische, weil es teils als irdisch, teils als Gas erscheint.
b) Das eine Moment des Gegensatzes ist der Feuerkreis, das individuelle, realisierte Feuer, und sein Gegensatz das zu Verbrennende. Es bildet selbst eine Totalität: α) Die Basis, als das an sich Brennende, an sich Feurige, nicht das Indifferente, das nur in einer Differenz, als Bestimmung, gesetzt werden soll, nicht das Positive, das nur als different begrenzt werden soll, sondern die Negativität an sich, die in sich realisierte schlafende Zeit (wie das Feuer selbst die rege Zeit genannt werden kann), an der ihr ruhiges Bestehen nur Form ist, so daß diese Negativität ihre Qualität ist, nicht Form nur ihres Seins, sondern ihr Sein selbst diese Form ist, - der Schwefel als die irdische Basis, der Wasserstoff als Luftbasis, Naphtha, die vegetabilischen und animalischen Öle usw.; β) die Säure, und zwar 1. Schwefelsäure, die Säure des irdischen Verbrennlichen, 2. Stickstoffsäure, - die Salpetersäure mit ihren verschiedenen Formen, 3. Wasserstoffsäure, - die Salzsäure (ich halte den Wasserstoff für ihr Radikal: die Indifferenten der Luftindividualität müssen zur Säure begeistet sein, sie sind schon darum das an sich Brennliche, nicht bloß, wie die Metalle, weil sie Abstrakte sind: als Indifferente haben sie die Materie in ihnen selbst, nicht wie der Sauerstoff außer sich), 4. die irdischen Säuren: αα) die abstrakte irdische Kohlensäure, ββ) die konkrete Arseniksäure usf., γγ) die vegetabilischen und animalischen Säuren (Zitronensäure, Blutsäure, Ameisensäure); γ) der Säure gegenüber die Oxyde, Kalien überhaupt.
c) Das andere Moment des Gegensatzes ist das realisierte Wasser, die Neutralitäten der Säuren und Oxyde, - Salz, Erden, Steine. Hier tritt eigentlich der totale Körper ein; die Gasarten sind Lüfte, der Feuerkreis ist noch nicht zur Ruhe der Totalität gekommen, der Schwefel schwebt in ihm als Grundlage über den sonstigen irdischen Körpern. Die Erden sind das Weiße, schlechthin 9/331 Spröde, Einzelne überhaupt, das weder die Kontinuität des Metalls und seinen Verlauf durch den Prozeß noch die Brennlichkeit hat. Es sind vier Haupterden. Diese irdischen Neutrale dirimieren sich in eine Reihe des Gedoppelten: α) Neutrale, welche zur Basis der Neutralität nur das Abstrakte des Wassers haben und sowohl als Neutrale einer Säure als eines Kalischen bestehen; diesen Übergang machen die Kiesel-, Ton-, und Bitter- (Talk-)erde. 1. Der Kiesel ist gleichsam das irdische Metall, das rein Spröde, das durch die Abstraktion seiner Einzelheit mit dem Kali besonders Verbindungen eingeht und Glas wird und, wie das Metall als Farbe und Gediegenheit, so als Einzelheit den Prozeß des Schmelzens darstellt; er ist das Farblose, an dem die Metallität zur reinen Form getötet, das Innerliche absolute Diskretion ist. 2. Die Tonerde ist, wie der Kiesel der unmittelbare, einfache unaufgeschlossene Begriff, so sie das erste differente Erdige, - die Möglichkeit der Brennbarkeit. Als reine Tonerde absorbiert sie Sauerstoff aus der Luft, ist aber überhaupt mit Schwefelsäure zusammen ein erdiges Feuer: Porzellanjaspis. Härte und Kristallisation verdankt sie dem Feuer. Das Wasser macht weniger kristallisierenden Zusammenhang als äußere Kohäsion. 3. Talk- oder Bittererde ist das Subjekt des Salzes; daher kommt die Bitterkeit des Meeres. Es ist ein Mittel, Geschmack, der zum Feuerprinzip geworden, eben der Rückgang des Neutralen ins Feuerprinzip. β) Endlich haben wir den Gegensatz hierzu, das eigentlich real Neutrale, das Kalkgeschlecht, das Kalische, Differente, das sein Erdprinzip wieder auflöst und nur des physischen Elements bedarf, um Prozeß zu sein, - der getilgte Prozeß, der sich wiederherstellt; der Kalk ist das Prinzip des Feuers, welches vom physischen Körper an ihm selbst erzeugt wird.
d) Das nur noch schwere Irdische, dem alle anderen Bestimmungen außer demselben getreten sind und wo die Schwere mit dem Lichte identisch ist, sind die Metalle. Wie die Schwere das Insichsein in der unbestimmten Äußerlichkeit ist, so ist dies Insichsein im Lichte real. Die Metalle haben so einerseits Farbe, andererseits ist aber ihr Glanz dies aus sich strahlende, unbestimmte reine Licht, das die Farbe verschwinden macht. Die Zustände des Metalls, einmal seine Kontinuität und Gediegenheit und dann sein Aufgeschlossensein für den Prozeß, seine Sprödigkeit, Punktualität, Oxydierbarkeit, durchläuft das gediegene Metall an ihm selbst: α) so finden sich manche Metalle regulinisch; β) andere kommen nur oxydiert, erdig vor, kaum regulinisch, und wenn, so erscheinen sie doch ganz pulvrig, wie z. B. Arsenik; - ebenso ist Antimonium und dergleichen so spröde und hart, daß es sich leicht pulverisieren läßt. γ) Endlich erscheint das 9/332 Metall als Schlacke, verglast, und hat die bloße Form der Gleichheit des Zusammenhangs, wie der Schwefel.

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Der chemische Prozeß ist zwar im allgemeinen das Leben; der individuelle Körper wird ebenso in seiner Unmittelbarkeit aufgehoben als hervorgebracht, somit bleibt der Begriff nicht mehr innere Notwendigkeit, sondern kommt zur Erscheinung. Es ist aber durch die Unmittelbarkeit der Körperlichkeiten, die in den chemischen Prozeß eingehen, daß er mit der Trennung überhaupt behaftet ist; dadurch erscheinen seine Momente als äußerliche Bedingungen, das sich Scheidende zerfällt in gegeneinander gleichgültige Produkte, das Feuer und die Begeistung erlischt im Neutralen und facht sich in diesem nicht von selbst wieder an; der Anfang und das Ende des Prozesses sind voneinander verschieden; - dies macht seine Endlichkeit aus, welche ihn vom Leben abhält und unterscheidet.

Chemische Erscheinungen, z. B. daß im Prozesse ein Oxyd auf einen niedrigeren Grad der Oxydation, auf dem es sich mit der einwirkenden Säure verbinden kann, herabgesetzt und ein Teil dagegen stärker oxydiert wird, haben die Chemie veranlaßt, die Bestimmung der Zweckmäßigkeit bei der Erklärung anzuwenden, eines anfänglichen Selbstbestimmens des Begriffs aus sich in seiner Realisation, so daß diese nicht allein durch die äußerlich vorhandenen Bedingungen determiniert ist.

Zusatz. Es ist zwar ein Anschein von Lebendigkeit da, die aber im Produkte verlorengeht. Wenn die Produkte des chemischen Prozesses selbst wieder die Tätigkeit anfingen, so wären sie das Leben. Das Leben ist insofern ein perennierend gemachter chemischer Prozeß. Die Bestimmtheit der Art eines chemischen Körpers ist identisch mit der substantiellen Natur desselben; so sind wir hier noch im Reiche der festen Arten. Im Lebendigen ist dagegen die Bestimmtheit der Art nicht mit der Substantialität eines Individuums identisch, sondern es ist seiner Bestimmtheit nach endlich, ebenso aber auch unendlich. Der Begriff stellt im chemischen Prozeß seine Momente nur unterbrochen dar: das Ganze des 9/333 chemischen Prozesses enthält einerseits die feste Bestimmtheit, in der Weise der Indifferenz zu sein, und auf der andern Seite den Trieb, als Entgegensetzung seiner in sich zu sein, worin dann die Bestimmtheit wegfällt. Das ruhige Sein und der Trieb sind aber Verschiedene voneinander; nur an sich oder im Begriffe ist die Totalität gesetzt. Daß beide Bestimmungen in einem zumal sind, kommt nicht zur Existenz; diese Einheit als existierend ist die Bestimmung des Lebens, und dahin treibt die Natur. An sich ist das Leben im chemischen Prozeß vorhanden, aber die innere Notwendigkeit ist noch nicht existierende Einheit.

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Es ist aber der chemische Prozeß selbst dies, jene unmittelbaren Voraussetzungen, die Grundlage seiner Äußerlichkeit und Endlichkeit, als negierte zu setzen, die Eigenschaften der Körper, die als Resultate einer besonderen Stufe des Prozesses erscheinen, auf einer anderen zu verändern und jene Bedingungen zu Produkten herabzusetzen. Was in ihm so im allgemeinen gesetzt wird, ist die Relativität der unmittelbaren Substanzen und Eigenschaften. Das gleichgültigbestehende Körperliche ist dadurch nur als Moment der Individualität gesetzt, und der Begriff in der ihm entsprechenden Realität; die in einem, aus der Besonderung der unterschiedenen Körperlichkeiten sich hervorbringende konkrete Einheit mit sich, welche die Tätigkeit ist, diese ihre einseitige Form der Beziehung auf sich zu negieren, sich in die Momente des Begriffs zu dirimieren und zu besondern und ebenso in jene Einheit zurückzuführen, - so der unendliche sich selbst anfachende und unterhaltende Prozeß, der Organismus.

Zusatz. Wir haben jetzt den Übergang von der unorganischen zur organischen Natur, von der Prosa zur Poesie der Natur zu machen. Die Körper verändern sich im chemischen Prozeß nicht oberflächlich, sondern nach allen Seiten: alle Eigenschaften gehen verloren, Kohäsion, Farbe, Glanz, Undurchsichtigkeit, Klang Durchsichtigkeit. Selbst die spezifische Schwere, welche die tiefste, einfachste Bestimmung zu sein scheint, hält nicht aus. Eben im chemischen Prozeß kommt die Relativität der gleichgültig erscheinenden Bestimmungen der Individualität als das Wesen in diesem 9/334 Wechsel der Akzidenzien zutage; der Körper zeigt die Flüchtigkeit seiner Existenz, und diese seine Relativität ist sein Sein. Wenn der Körper beschrieben werden soll, was er ist, so ist die Beschreibung nur vollendet, wenn der ganze Kreis der Veränderungen desselben angegeben worden; denn die wahrhafte Individualität des Körpers existiert nicht in einem einzelnen Zustande, sondern ist nur in diesem Kreislauf von Zuständen erschöpft und dargestellt. Die Totalität der Gestalt hält nicht aus, und zwar weil sie nur eine besondere ist; dem individuellen Körper widerfährt so sein Recht, weil er ein endlicher ist, nicht zu beharren. So gibt es Metalle, welche den ganzen Kreis von Farben durchlaufen, als Oxyde oder durch Säuren neutralisiert, auch können sie durchsichtige neutrale Salze bilden, wie die Salze überhaupt die Tötung der Farbe sind. Sprödigkeit, Gediegenheit, Geruch, Geschmack verschwinden ebenso; das ist diese Idealität des Besonderen, die sich hier darstellt. Die Körper gehen den ganzen Kreis der Möglichkeit solcher Bestimmungen durch. Das Kupfer z. B. ist als regulinisches Metall seiner Farbe nach rot: schwefelsaures Kupfer gibt aber einen blauen Kristall, Wasser-Kupferoxyd als Niederschlag ist bergblau, ein salzsaures Kupferoxyd ist weiß; andere Oxyde des Kupfers sind grün, schwarzgrau, rotbraun usw.; Kupferlasur hat wieder eine andere Farbe usf. Nach dem Agens ist die Reaktion verschieden, und der chemische Körper ist nur die Summe seiner Reaktionen. Die Totalität der Reaktionen ist nämlich nur als Summe vorhanden, nicht als unendliche Rückkehr zu sich selbst. In allen Reaktionen, worin der Körper mit anderen in Synsomatien, Oxydation und Neutralität zusammengeht, erhält er seine Bestimmtheit, aber nur als an sich seiende, nicht als existierende; das Eisen bleibt immer an sich Eisen, aber auch nur an sich, nicht in der Weise seiner Existenz. Es ist aber um Erhaltung der Existenz, nicht des Ansich zu tun, - eben darum, daß das Ansich in der Existenz oder die Existenz an sich sei. Der Kreis der besonderen Reaktionen macht die allgemeine Besonderheit des Körpers aus; diese existiert aber nur an sich und ist keine allgemeine Existenz. Nur im Feuerprozeß ist die Tätigkeit immanent, - ein Augenblick eigenen Lebens, dessen Tätigkeit jedoch ist, seinem Tode zuzueilen. Weil aber die unmittelbare Gestalt, welche besondere Bestimmungen an ihr hat, hier untergeht, so liegt darin der Übergang, daß das an sich Allgemeine der Bestimmtheit auch in die Existenz gesetzt sei, und das ist die Selbsterhaltung des Organischen. Es agiert und reagiert gegen die verschiedensten Potenzen; in jeder Reaktion ist es anders bestimmt, ebenso bleibt es aber auch eine Einheit mit sich selbst. Diese an sich seiende Bestimmtheit der Art, die nunmehr auch existiert, läßt sich mit 9/335 Anderem ein, unterbricht dieses Einlassen aber auch und neutralisiert sich nicht mit demselben, sondern erhält sich im Prozesse, welcher indessen durch es und sein Anderes bestimmt ist. Ist die unendliche Form, als die Seele der Individualität, noch in der Gestalt materialisiert, so ist sie herabgesetzt zu einem, das nicht unendlich freie Form in sich selbst ist, sondern in seiner Existenz ein Seiendes, Beharrendes ist. Der unendlichen Form ist diese Ruhe aber zuwider, denn sie ist Unruhe, Bewegung, Tätigkeit, und erst so tritt sie hervor als das, was sie an und für sich ist. Das Beharren ihrer Momente in der Gestalt, deren jedes als selbständige Materie existieren kann, ist zwar auch ein In-die-Existenz-Treten der unendlichen Form; aber hier hat das Eins derselben noch nicht die Wahrheit, die es ist. Indem nun aber der chemische Prozeß eben die Dialektik darstellt, durch welche alle besonderen Eigenschaften der Körper in die Vergänglichkeit gerissen werden (er ist dies, die unmittelbaren Voraussetzungen, welche die Prinzipien seiner Endlichkeit sind, zu negieren), so ist, was allein beharrt, die für sich seiende unendliche Form, die reine körperlose Individualität, die für sich ist und für die das materielle Bestehen durchaus ein Veränderliches ist. Der chemische Prozeß ist das Höchste, wozu die unorganische Natur gelangen kann; in ihm vernichtet sie sich selbst und beweist die unendliche Form allein als ihre Wahrheit. So ist der chemische Prozeß durch den Untergang der Gestalt der Übergang in die höhere Sphäre des Organismus, in welchem sich die unendliche Form als unendliche Form reell macht, d. h. die unendliche Form ist der Begriff, der hier zu seiner Realität kommt. Dieser Übergang ist das Erheben der Existenz zur Allgemeinheit. Hier hat die Natur also das Dasein des Begriffs erreicht; der Begriff ist nicht mehr als in sich seiend, nicht mehr versunken in ihr Außereinanderbestehen. Das ist das freie Feuer α) als gereinigt von Materiatur, und β) im Dasein materialisiert. Die Momente des Bestehenden sind selbst zu dieser Idealität erhoben, haben nur dies Sein der Idealität und fallen nicht zum beschränkten Bestehen zurück; so haben wir die objektive Zeit, ein Unvergängliches Feuer, das Feuer des Lebens, wie Heraklit das Feuer als Seele aussprach und die trockenen Seelen als die besten. 9/336