2. Feuerprozeß
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Die im vorigen Prozesse nur an sich in der differenten Bestimmtheit der in Beziehung gebrachten Metalle seiende Tätigkeit für sich als existierend gesetzt, ist das Feuer, wodurch das an sich Verbrennliche (wie Schwefel) - die dritte Art der Körperlichkeit - befeuert, überhaupt das in noch gleichgültiger, abgestumpfter Differenz (wie in Neutralität) Befindliche zu der chemischen Entgegensetzung der Säure und des (kaustischen) Kalischen begeistet sind, -nicht sowohl einer eigenen Art von reeller Körperlichkeit, indem sie nicht für sich existieren können, als nur des Gesetztseins der körperlichen Momente dritter Form.

Zusatz. Indem der galvanische Prozeß mit dem Metalloxyd, mit der Erde, aufhört, so ist hiermit der Verlauf des chemischen Prozesses unterbrochen. Denn der Existenz nach hängen die chemischer Prozesse nicht zusammen; sonst hätten wir das Leben, den Rückgang des Prozesses in den Kreislauf. Soll nun das Produkt weitergeführt werden, so tritt die Tätigkeit von außen hinzu, wie auch die Metalle durch äußerliche Tätigkeit aneinander gebracht wurden. Nur der Begriff, die innere Notwendigkeit, setzt also der Prozeß fort, nur an sich wird der Prozeß zum Kreislauf des Totalität fortgesetzt. Weil die neue Form, die wir hereinbringen nur für uns, im Begriffe, oder an sich entsteht, so haben wir die in den Prozeß Eintretenden nach ihrer Natürlichkeit zu nehmen. Es ist nicht dasselbe existierende Produkt (also hier das Oxyd, womit der Galvanismus schloß), das weiter, gleichsam nur vor anderen Reagenzien, fortbehandelt würde; als an sich bestimmt ist das Objekt des Prozesses vielmehr als Ursprüngliches aufzunehmen, nicht als ein der Existenz nach Gewordenes, sondern diese Bestimmtheit des Gewordenen zur einfachen inneren Bestimmtheit seines Begriffes habend.
Die eine Seite des Prozesses ist das Feuer als Flamme, worin die Einheit der Differenz, welche das Resultat des galvanischen Prozesses war, jetzt für sich existiert, und zwar in der Form der freien Unruhe, des Sichverzehrens. Die andere Seite, das Verbrennliche, 9/318 ist das Objekt des Feuers, derselben Natur als das Feuer, aber als physikalisch bestehender Körper. Das Produkt des Prozesses ist dann, daß einerseits das Feuer als physikalische Qualität existiere oder umgekehrt am Material das, was es seiner Naturbestimmtheit nach schon ist, das Feuer, an ihm gesetzt werde. Wie der erste Prozeß der Prozeß des Schweren war, so haben wir hier den Prozeß des Leichten, indem das Feuer sich zur Säure verkörpert. Der physikalische Körper, als die Möglichkeit, verbrannt zu werden und begeistet zu sein, ist nicht nur tote Reduktion zur passiven Indifferenz, sondern wird selbst brennend. Weil nun das so begeistete Material ein schlechthin an ihm Entgegengesetztes ist, das Entgegengesetzte sich aber widerspricht, so bedarf es seines Anderen, ist schlechthin nur in der realen Beziehung auf sein Anderes. Das Verbrennliche hat so zweierlei Gestalten, weil dies Fürsichsein des Negativen, insofern es in den Unterschied kommt, sich in den Unterschied seiner selbst setzt. Das eine ist das gewöhnliche Verbrennliche, Schwefel, Phosphor usw.; die andere Form des Verbrennlichen ist ein Neutrales. In beiden ist das ruhige Bestehen nur eine Weise der Existenz, nicht seine Natur, während beim Metall im galvanischen Prozeß die Indifferenz seine Natur ausmacht. Merkwürdiger ist an ihnen das bloße Leuchten ohne Brennen, das Phosphoreszieren, wie eine Menge Mineralien tun; entweder etwas geritzt, gekratzt, oder auch dem Sonnenlicht ausgesetzt, behalten sie dies eine Zeitlang. Es ist dieselbe flüchtige Lichterscheinung, welche die Elektrizität ist, aber ohne Entzweiung. Das erste Verbrennliche hat keine große Ausdehnung: Schwefel, Erdpech und Naphthen machen seinen Umkreis. Es ist das Spröde ohne feste indifferente Base, das die Differenz nicht von außen durch Verbindung mit einem Differenten erhält, sondern seine Negativität innerhalb seiner selbst als sich selbst entwickelt. Die Gleichgültigkeit des Körpers ist in eine chemische Differenz übergegangen. Die Brennbarkeit des Schwefels ist nicht mehr die oberflächliche Möglichkeit, welche Möglichkeit bleibt im Prozesse selbst, sondern diese getilgte Gleichgültigkeit. Das Brennbare brennt, das Feuer ist seine Wirklichkeit, es verbrennt, es brennt nicht nur, d. h. es hört auf, gleichgültig zu sein, - es wird eine Säure. Ja, Winterl155)  hat den Schwefel als solchen als eine Säure behauptet; und er ist es in der Tat, da er die salzigen und erdigen Basen und die Metalle, selbst ohne die für die übrigen Säuren erforderliche Wasserbase (Wasserstoff) zu gebrauchen, neutralisiert. Das zweite Verbrennliche ist das formell Neutrale, dessen Bestehen auch nur Form ist und nicht die Bestimmtheit seiner Natur 9/319 ausmacht, als ob es den Prozeß aushalten könnte. Das formell Neutrale (Salz ist das physisch Neutrale) ist Kalk, Baryt, Pottasche, mit einem Worte die Erden, die nichts anderes als Oxyde sind, d. h. ein Metall zur Basis haben, was man mit der galvanischen Batterie fand, wodurch man Kalisches desoxydiert. Auch die Alkalien sind Metalloxyde: animalische, vegetabilische, mineralische. Die andere Seite zum Basischen, z. B. im Kalk, ist die Kohlensäure, durch Glühen der Kohle hervorgebracht, - ein abstrakt Chemisches, kein individueller, physischer Körper. Kalk ist so neutralisiert, aber nicht ein real Neutrales; die Neutralität ist darin nur auf elementarische, allgemeine Weise vollbracht. Baryt, Strontian will man auch nicht als Salze betrachtet wissen, weil, was sie abstumpft, nicht eine reale Säure ist, sondern eben jenes chemische Abstraktum, das als Kohlensäure erscheint. Das sind die beiden Verbrennlichen, welche die andere Seite des Prozesses ausmachen.
Die im Feuerprozeß in Konflikt Stehenden kommen äußerlich zusammen, wie dies die Endlichkeit des chemischen Prozesses bedingt. Als Vermittelndes tritt Elementarisches hinzu; das ist Luft und Wasser. Damit z. B. aus dem Schwefel seine Säure erzeugt werde, gebraucht man Wände mit Wasser befeuchtet und Luft. Der ganze Prozeß hat so die Form eines Schlusses, wozu die gebrochene Mitte und die beiden Extreme gehören. Die näheren Formen dieses Schlusses betreffen nun die Weisen der Tätigkeit und das, zu was jene Extreme die Mitte bestimmen, um sich aus ihr zu integrieren. Dies näher zu betrachten, würde eine sehr delikate Auseinandersetzung sein und uns zugleich zu weit führen. Jeder chemische Prozeß müßte als eine Reihe von Schlüssen dargestellt werden, wo, was erst Extrem war, Mitte wird und die Mitte als Extrem gesetzt würde. Das Allgemeine ist dieses, daß das Verbrennliche, Schwefel, Phosphor oder formell Neutrales, in diesem Prozesse begeistet wird. So werden Erden durch das Feuer zum kaustischen Zustande gebracht, während sie vorher, als Salze, milde sind. Auch Metallisches (nämlich schlechte Metalle, Kalkmetalle) kann durch das Verbrennen so begeistet werden, daß es nicht ein Oxyd wird, sondern sogleich bis zur Säure getrieben wird. Das Oxyd des Arseniks ist selbst Arseniksäure. Das Kali, als begeistet, ist stechend, kaustisch, die Säure ebenso verzehrend, angreifend. Weil der Schwefel (und dergleichen) keine indifferente Basis in sich hat, so wird das Wasser hier zum basischen Bande, damit die Säure, wenngleich nur momentan, für sich bestehen könne. Indem das Kalische aber zum Kaustischen wird, so verliert das Wasser, das als Kristallisationswasser (was so nicht mehr Wasser ist) das Band der Neutralisation war, durch Feuer seine 9/320 formal neutrale Gestalt, weil das Kalische für sich schon eine indifferente metallische Basis hat.

155) *Er [Jakob Joseph Winterl, 1732-1809] war Professor in Pest und hatte, am Anfang dieses Jahrhunderts, den Trieb einer tieferen Einsicht in die Chemie. Er wollte einen besonderen Stoff Andronia gefunden haben, was sich aber nicht bestätigt hat.